Von der Kaffeegeschichte zu Hausbrandt: Wie der Espresso Griechenland eroberte

Von der Kaffeegeschichte zu Hausbrandt: Wie der Espresso Griechenland eroberte

Vom äthiopischen Hochland bis zur Espresso‑Bar in Athen

Der Kaffee hat eine erstaunliche Reise hinter sich: von wilden Sträuchern im ostafrikanischen Hochland bis zu deinem Lieblings‑Café in Berlin, Wien oder Thassos. Auf diesem Weg entstanden Kaffeekulturen, Handelsimperien und Marken wie Hausbrandt, die den italienischen Espresso geprägt und später auch den griechischen Kaffeemarkt mitgestaltet haben.

Die Anfänge: Äthiopien, Jemen und die islamische Welt

Die meisten Historiker gehen davon aus, dass der Kaffeestrauch ursprünglich aus Äthiopien stammt, wo seine Samen zunächst als Brei oder Heilgetränk genutzt wurden. Im 14. Im Jahrhundert gelangte der Kaffee in den Jemen, wo erstmals systematisch Plantagen angelegt wurden und das Getränk eng mit der Praxis von Sufi‑Mystikern verbunden war, die seine anregende Wirkung schätzten.

Von dort aus verbreitete sich Kaffee über Mekka, Kairo und den Nahen Osten bis nach Konstantinopel, das heutige Istanbul, und wurde schnell Teil von Religion, Handel und Alltagskultur. In den Metropolen des Osmanischen Reiches entstanden Kaffeehäuser als soziale und politische Treffpunkte – ein Modell, das später auch die griechische Kaffeekultur stark beeinflusste.

Wie der Kaffee nach Europa kam

Nach Europa gelangte der Kaffee im 16. und 17. Jahrhundert vor allem über den Handel mit dem Osmanischen Reich und den Hafenstädten des Mittelmeers. Venezianische Kaufleute spielten dabei eine Schlüsselrolle, denn Venedig war eines der ersten Zentren, in denen Kaffee regelmäßig konsumiert und gehandelt wurde.

Schon bald folgten weitere Städte: In Venedig eröffnete 1647 eines der ersten europäischen Kaffeehäuser, kurz darauf entstanden ähnliche Lokale in Den Haag, London, Paris und deutschen Städten. Diese Kaffeehäuser wurden zu „Universitäten für wenig Geld“ – Orte, an denen Menschen aller Schichten über Politik, Philosophie und neue Ideen diskutierten, während sie eine Tasse des damals noch exotischen Getränks tranken.

Triest als Kaffeehafen – und die Geburt von Hausbrandt

Einer der wichtigsten europäischen Umschlagplätze für Kaffee war die Hafenstadt Triest an der Adria, die im 19. Jahrhundert riesige Mengen Rohkaffee für Mitteleuropa abwickelte. In diesem Umfeld gründete der aus Graz stammende ehemalige Kommandant der österreichischen Handelsmarine, Hermann Hausbrandt, am 15. November 1892 in Triest das Unternehmen H. Hausbrandt.

Hausbrandt war Vorreiter einer modernen Kaffeeverarbeitung: Die Firma war das erste Unternehmen, das gerösteten Kaffee in versiegelten Metallbehältern verpackte und so auf den Markt brachte. Damit löste sie ein zentrales Problem der damaligen Zeit – Transport und Haltbarkeit – und sorgte dafür, dass Aroma und Qualität über weite Distanzen erhalten blieben.

Bereits 1907 war Hausbrandt zu einer großen Kaffeerösterei und Teehandelsfirma herangewachsen, die den Ruf Triests als „Kaffeestadt“ weiter stärkte. Seit 1988 wird das Unternehmen von Martino Zanetti geführt, der die Marke als Symbol für italienische Espresso‑Tradition positioniert und konsequent internationale Märkte erschlossen hat.

Italienischer Espresso und der Stil von Hausbrandt

Der klassische italienische Espresso entstand im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, als neue Maschinen entwickelt wurden, die unter Druck in wenigen Sekunden einen konzentrierten Kaffee zubereiten konnten. Aus dem langsamen Aufguss wurde ein kleiner, intensiver Shot mit feiner Crema – perfekt für den schnellen Stopp „al banco“ in der italienischen Bar.

Marken wie Hausbrandt richteten ihre Mischungen früh auf diese Espresso‑Kultur aus: sorgfältig ausgewählte Arabica‑ und Robusta‑Bohnen, Röstprofile mit ausgewogener Süße und Bitterkeit sowie stabile Crema, optimiert für professionelle Siebträgermaschinen. Das Ergebnis sind Blends, die sich sowohl für puren Espresso als auch für Cappuccino oder Latte hervorragend eignen – und sich inzwischen in über 90 Ländern wiederfinden.

Griechenland vor dem Espresso: Mokka, „griechischer Kaffee“ und Frappe

Die griechische Kaffeekultur beginnt lange vor dem Espresso – und zwar in der Zeit der osmanischen Herrschaft, als der Mokka‑Stil in das heutige Griechenland gelangte. Das, was wir heute „griechischer Kaffee“ nennen, wurde jahrhundertelang einfach als türkischer oder orientalischer Kaffee bezeichnet: fein gemahlen, im briki aufgekocht, unfiltriert in kleinen Tassen serviert.

Im 20 Jahrhundert tritt dann ein zweites Kultgetränk auf den Plan: der Frappe. 1957 erfand Dimitris Vakondios während der Internationalen Messe in Thessaloniki eher zufällig einen Eiskaffee, indem er löslichen Kaffee mit kaltem Wasser und Eis im Shaker mischte. Innerhalb weniger Jahrzehnte wurde der Frappe zum Symbol des griechischen Sommers – ein einfacher, günstiger und überall erhältlicher Kaltkaffee, der besonders in Griechenland und Zypern beliebt ist.

Für lange Zeit dominierten also zwei Hauptoptionen den griechischen Kaffeemarkt: der traditionelle griechische Kaffee und der Frappe auf Basis von Instant‑Kaffee. Espresso spielte zwar eine Rolle, blieb aber eher auf wenige, „kosmopolitische“ Cafés beschränkt.

Die ersten Espressomaschinen in Griechenland

Die ersten Espressomaschinen tauchten bereits in den 1950er Jahren in Athen auf, vor allem in Treffpunkten von Künstlern, Intellektuellen und reisefreudigen Städtern, die italienische Trends nachahm. Wirklich flächendeckend war Espresso damals aber noch nicht: Er war eher ein Nischenprodukt für ein bestimmtes, eher urbanes Publikum.

Ab den späten 1980er und insbesondere in den 1990er Jahren änderte sich das Bild deutlich. Mit der stärkeren europäischen Orientierung Griechenlands, der wachsenden Mittelschicht und dem internationalen Boom der Espresso‑Bars etablierten sich Espresso und Cappuccino in immer mehr Cafés und Ketten. In den 2000er Jahren gehörten Espresso‑Getränke endgültig zur Standardkarte griechischer Cafés, vom Athener Zentrum bis zu Touristenorten und Provinzstädten.

Parallel dazu wuchs auch der Heimmarkt: Der Verkauf von Espressomaschinen für den Hausgebrauch stieg über mehrere Jahre deutlich an, was zeigt, dass Espresso in Griechenland nicht mehr nur ein Café‑Getränk, sondern Teil des Alltags geworden ist.

Die griechische Erfindung: Freddo Espresso und Freddo Cappuccino

Einer der spannendsten Beiträge Griechenlands zur globalen Espresso‑Kultur sind Freddo Espresso und Freddo Cappuccino – eiskalte Espressogetränke, die heute fast untrennbar mit der griechischen Kaffeekultur verbunden sind. Der Freddo entstand in den 1990er Jahren in Athen, als Baristi begannen, doppelten Espresso mit Eis im Shaker zu mixen, um im heißen Sommer eine Alternative zum Frappe zu bieten.

Der Freddo Espresso besteht in der Regel aus einem doppelten Espresso, der mit Eiswürfeln kräftig geschüttelt und anschließend auf Eis serviert wird, oft mit einer feinen, kalten Schaumschicht. Der Freddo Cappuccino setzt noch kalten Milchschaum obendrauf und kombiniert damit die Intensität des Espressos mit der Cremigkeit eines Cappuccinos – nur eben eiskalt.

Diese Getränke passten perfekt zum griechischen Lebensstil: lange Gespräche im Straßencafé, milde Winter, heiße Sommer und der Wunsch nach einem „echten“ Espresso‑Geschmack statt Instant‑Kaffee. Innerhalb weniger Jahre wurden Freddo Espresso und Freddo Cappuccino zur ernsthaften Konkurrenz des Frappe und prägen bis heute das Bild der griechischen Kaffeekultur.

Die Rolle von Hausbrandt im griechischen Espressomarkt

Mit der Ausbreitung der Espressokultur wurde Griechenland zu einem attraktiven Markt für italienische Röstereien, von großen Industrien bis zu Spezialitätenröstern. Hausbrandt, eine der ältesten italienischen Röstereien, positionierte sich hier als Premium‑Marke für italienischen Espresso und ist in vielen Hotels, Bars und Restaurants in Griechenland und Zypern präsent.

Importeure und Partner in der Region bewerben Hausbrandt als authentischen italienischen Espresso mit langer Tradition, dessen Blends speziell für professionelle Espressomaschinen und anspruchsvolle Baristi entwickelt wurden. Die Mischung aus hoher, reproduzierbarer Qualität, stabilen Blends und zuverlässiger Crema ist gerade in einem Markt wichtig, in dem Cafés täglich Hunderte Espressi, Cappuccini, Freddo Espresso und Freddo Cappuccino zubereiten.

Natürlich hat keine einzelne Marke den Espresso „nach Griechenland gebracht“, aber Unternehmen wie Hausbrandt haben wesentlich dazu beigetragen, Espresso als festen Bestandteil der griechischen Kaffeekultur zu etablieren – als Symbol für italienische Qualität in der Tasse, egal ob heiß oder auf Eis.

Griechische Kaffeekultur im Zeitalter des Espressos

Heute ist die griechische Kaffeekultur ein vielschichtiges Mosaik. In traditionellen Kafeneia und Familienhäusern wird noch immer der klassische griechische Kaffee im briki gekocht, oft begleitet von stundenlangen Gesprächen und Kartenspielen. Gleichzeitig dominieren in den Stadtzentren moderne Coffee Shops und Ketten, die alles anbieten: Espresso, Cappuccino, Flat White, Cold Brew, Frappe, Freddo Espresso und Freddo Cappuccino – oft auf einer einzigen Karte.

Espresso hat nicht nur die Getränkekarte erweitert, sondern auch die Gestaltung der Cafés, die Ausbildung von Baristi und die gesamte Lieferkette von Röstern und Importeuren verändert. Trotzdem wurden die älteren Traditionen nicht verdrängt: Griechen trinken nach wie vor griechischen Kaffee, Frappe und Espresso nebeneinander – je nach Tageszeit, Jahreszeit und Stimmung.

Von Triest bis zum Straßencafé in Thessaloniki

Wenn man den Bogen etwas größer spannt, erzählt die Geschichte von Kaffee, Hausbrandt und Espresso in Griechenland eine klassische Globalisierungsgeschichte: Die Bohnen starten im äthiopischen Hochland, werden im Jemen kultiviert, über das Osmanische Reich nach Europa gebracht, in Triest geröstet, in Italien zur Espressokultur veredelt – und landen schließlich als Freddo Espresso in einem Straßencafé in Thassos.

Die Entwicklung von Hausbrandt – von der Gründung 1892 als innovatives Unternehmen für vakuumverpackten Kaffee bis zur heutigen internationalen Espresso‑Marke – spiegelt dabei die Wandlung des Kaffees vom exotischen Genussmittel zum globalen Alltagsgetränk wider. In Griechenland hat sich der Espresso nicht an die Stelle der Tradition gesetzt, sondern sie ergänzt: Er steht heute gleichberechtigt neben griechischem Kaffee und Frappe und ist aus der modernen griechischen Kaffeekultur nicht mehr wegzudenken.

Wenn du also das nächste Mal an einem Freddo‑Espresso oder einem doppelten Hausbrandt‑Espresso nippst, steckst du mitten in einer jahrhundertelangen Geschichte – irgendwo zwischen äthiopischem Hochland, osmanischem Kaffeehaus, dem Hafen von Triest und griechischem Straßencafé.

Wenn Sie die reiche Geschichte von Hausbrandt schmecken möchten, erwarten wir Sie im Kolatsio Coffee & More. Für authentischen italienischen Espresso, Freddo oder Cappuccino besuchen Sie uns und genießen Sie den besten Kaffee in Limenas, Thassos!

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